Festrede von Ehrenmajor des Südtiroler Schützenbundes 

Landesrat Dr. Bruno Hosp.

Hochwürdige Geistlichkeit!

Verehrte Ehrengäste!

Verehrte Marketenderinnen und Schützenkameraden!

Verehrte Freunde des Schützenwesens!

Lieber Herr Bürgermeister, lieber Kulturassessor, 

lieber Landeskommandant-Stellvertreter, 

Verehrte  Chargen des  Schützenwesen!

Ich möchte vorab als Ehrenmajor des Südtiroler Schützenbundes, meine persönlichen Wünsche und Grüße, und als für den Kulturellen Bereich zuständigen Mitglied in der Südtiroler Landesregierung auch die besten Wünsche und Grüße des Landes, anlässlich der feierlichen Gründung der Schützenkompanie St. Jakob Rabland, und anlässlich der  Weihe der Fahne der Schützenkompanie hier überbringen. Ich freue mich dass die Schützenkompanie, trotz ihres erst seit 1998 verzeichneten Bestehens, wie wir aus dem Munde des Kulturassessor Lassnig gehört haben, bereits sehr viele Aktivitäten im Sinne des Tiroler Schützenwesens gesetzt hat. Die Schützenkompanie Rabland steht also bereits fest und sicher in der Tradition des Tiroler Schützenwesens. Sie zeigt das auch indem sie zum Anlaß des heutigen offiziellen Gründungsfestes, eine neue Fahne mit unseren Ehrwürdigen althergebrachten Symbolen des Herzen Jesus und des Tiroler Adlers geweiht hat. Eine Fahnenweihe ist eine Symbolische Geste, denn eine Fahne verlangt Gefolgschaft. In früheren Kriegerischen Zeiten hatte das eine andere Bedeutung als heute. Nicht bewaffnete Gefolgschaft leisten die Schützen heute ihrer Fahne, viel mehr ist die Fahne ein Zeichen für das innere Einverständnis mit unserer Tradition. Sie steht für das Versprechen, die Ziele  und Werte des Schützenwesen zu vertreten und sie mit neuen Sinnvollen  Inhalten zu erfüllen. So Beispielsweise  mit der Treue zu einer Idee, nämlich der Idee des aktiven Eintretens einer Gruppe für Belange der Heimat und zwar unter Beachtung der demokratischen Spielregeln. Es ist dies eine Tugend die bei den Schützen immer schon geübt wurde, denn von jeher wählten sich die Mitglieder der Tiroler Schützenkompanie, ja mit dem Tiroler Landlibell 1511 eine offizielle Rolle bei der Verteidigung  ihrer Heimat erhalten hatten, ihre Hauptleute und Offiziere selbst. Vielleicht waren sich auch deshalb so Erfolgreich wenn es darum ging, in Zeiten der Bedrohung von außen mit einer Stimme zu sprechen, weil sie Einigkeit demonstrierten die aus der Möglichkeit zur Mitsprache, zur Mitbestimmung erwächst. Solche Einigkeit ist nun einmal Verläßlicher und Sicherer, als eine von oben verordnete Einigkeit, die nur aus einem starken Willen kommt. Es ist daher mitnichten so, wie den Schützen manchmal von Mißliebigen  vorgeworfen wird, sie kultivierten eine Autorität nach militärischem Vorbild. Vielmehr sind geordnetes Auftreten  und Disziplin nur die äußere Hülle einer demokratischen Grundeinstellung bei den Tiroler Schützen und das gilt heute um so mehr, daß sie eine Landesverteidigung nur mehr im Übertragenen gewissermaßen Moralischen Sinne verpflichtet sind. Auf diese Aufgabe allerdings bestehen gerade die Schützen in Südtirol. Sie nehmen sich die Freiheit, mit ganzen Herzen Tiroler zu sein. Es mag durchaus sein, daß  jemand dieses Bedürfnis nach eingebunden sein in die Heimat, nicht mehr oder nicht hat. Der ist für mich keinesfalls ein schlechterer Mensch, aber er sollte Ehrlich genug sein um die selbstgewählte Entwurzelung nicht für ein auferlegtes Martyrium anzusehen. Ich stelle dagegen Einwurzelung als Lebenskonzept in Südtirol und meine damit nicht borniertes Festhalten an sinnentleerten Traditionsformen, sondern kritisch  offenen Einsatz für neue Inhalte  sinnvoller Traditionen. Mit ganzen Herzen Tiroler sein, für die Schützen heißt das nicht einfach festhalten an Äußerlichkeiten einer Tradition, die in der Weitergabe von erstarrten  Details der Folklore bestünden. Wenn es nur darum ginge, müßten man  ihnen tatsächlich die Existenzberechtigung absprechen. Aber woran sie festhalten, das sind gemeinschaftserhaltende Formen der Religiosität und der Geschichte. Was da auf sie gekommen ist scheint mir das Erhaltens sehr wohl Wert zu sein. Aber auch immer wieder des Überprüfens und des neu Überdenkens. Die Schützen unterstreichen durch ihre Trachten, ihre religiösen Feiern, durch ihre Mundarten, ihr besonderes beheimatet sein in diesem Land. Sie behaupten also ihre Position durch ihr Dasein und haben ein Recht darauf dies zu tun. Nicht weil sie sich als vielleicht  exotische Fotomotive füllen oder als Vorfeldorganisation der Fremdenverkehrsförderung, sondern weil die Schützen die Geschichte unserer Tiroler Heimat vergegenwärtigen wollen. Die Würde die sie mit diesen Anspruch verbinden, verdient es ernstgenommen zu werden. Zugegeben, der Bergriff Heimat ist leicht verfügbar und es wird ständig über ihn verfügt, sehr oft aus ganz nichtigen Anlaß. Sei es beim Heimatabend, bei womöglich kitschigen Heimatklang, im verschnulsten Heimatroman. Wehren wir uns gegen diese Verfügbarkeiten, indem wir unseren Heimatbezug als Verbindlich ernst nehmen. Der deutsche Autor Jurek Becker hat gemeint, es sei ein folgenschweres Mißverständnis, Staat und Heimat als Identität nicht als Gegensatz zu erleben. Ich gebe ihn da sehr Recht, denn wir Südtiroler erleben unsere Heimat seit nunmehr über 80 Jahren als Gegensatz von Staat und Heimat. Vielleicht sind wir gerade deshalb als Südtiroler in diesem Staat noch da, weil wir diesen Gegensatz empfunden und unser Heimatgefühl durch Dick und Dünn ausgelebt  haben. Ich denke wir dürfen darin fortfahren, denn wir haben Heimat. An uns allen, vor allem an uns liegt es nun sie zu halten. Jede Schützenkompanie und jede Musikkapelle, wenn auch natürlich nicht nur diese, ist ein Band das uns mit diesem Land, mit dieser unserer Heimat verbindet. In diesem Sinne der neugegründeten Schützenkompanie  von Rabland "St.Jakob"  und deren tüchtigen Hauptmann, der sich um die Gründung so verdient gemachte, Friedl Gerstgrasser und alle die mit ihm zusammen die Kompanie aufgezogen und der Kompanie die Tätigkeit stiften, ein Aufrichtiges Vergelt`s Gott für ihre Gesinnung und einen besonderen Glückwunsch für ihre Zukunft, aber auch für ein schönes, freudvolles Gründungsfest an heutigem Tage.

 

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