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Mitteilungen
30
Jahre Pfarre St. Georgen Obermais
1969 - 1999
Festgottesdienst
am 8.12.1999 um 9 Uhr
mit Abt Josef Köll, Stams
im Gedenken an P. Josef Fingerle
mit Kirchenchor und Orchester
Ehrung von Ida Fulterer und Pater Karl
Anschließend Umtrunk auf dem Kirchplatz
Es spielt eine Gruppe der Bürgerkapelle Obermais.
17 Uhr: Abschluß der 'Gebetstage'
mit Vesper und Predigt.
Ida Fulterer: Die Katechetin - Die Seelsorgshelferin
Ida Fulterer erblickte am 5. März 1937 als älteste von 8
Geschwistern auf dem "Außerlanzinerhof' in Kastelruth das Licht
der Welt. Das Kind wäre gerne Hauswirtschaftslehrerin geworden, aber
familiäre Gegebenheiten zwangen zum Umdenken. Es hieß bald
einmal zuhause zupacken Lind die Jugendgruppe der Pfarrei beleben. Die
19-Jährige übernahm dann den Haushalt des damaligen Ortsdekans.
Nach dem frühzeitigen Tod des Vaters ging es wieder zurück auf
den Hof. In dieser Zeit kam es zu einem Kurs an der Landvolkshochschule
Burg Feuerstein und zu einer kurzen Aushilfe in einem Haushalt in Bamberg.
Dann kehrte die 24-Jährige in den Widum von Kastelruth zurück
und leistete für 4 Jahre Dienst an den Geistlichen. Einige dieser
Herren erbarmten sich der jungen Haushälterin und ermutigten sie,
in der christkatholischen Kirche andere Aufgaben wahrzunehmen. Die Angesprochene
konnte sich zwar unter einer "Seelsorgshelferin" nicht viel
vorstellen, aber der Geist der Jugend und der gute Rat Sachverständiger
ließen den Plänen Taten folgen. Daß es dazu kam, daran
hatten Dr. Köhl, der Leiter einer deutschen Jugendgruppe und der
heutige Dekan von Bozen "die Schuld".
Auf
nach Bayern!
Die
Ida ging 1966 zur Ausbildung nach München. Sie besuchte für
3 Jahre die "Fachhochschule für Katechetik und Gemeindearbeit".
Dort erfuhr sie eine gediegene Ausbildung für den Religionsunterricht,
besonders im praktischen Bereich, weil die Laien 2-mal in der Woche in
die Klassen hineinmußten und so in verschiedenen Schultypen eingesetzt
wurden. Als einzige von den damaligen Seelsorgshelferinnen Südtirols
schnupperte die Fulterer die ein wenig "freie nachkonziliäre
Münchner Katechetenluft". lm Juli 1969 gab es die Sendungsfeier
und dann hieß es das Gelernte in die Tat umzusetzen.
Einstand
in Obermais
Am
30. September des gleichen Jahres kam die 37-Jährige zum Hl. Georg.
Der damalige Brixner Dekan hätte die neue Religionslehrerin gerne
in der dortigen Mittelschule eingesetzt. Aber inzwischen streckten auch
der Dekan Pardatscher und P. Robert ihre Fühler aus und durch den
Entscheid des Bischofs Gargitter landete die Laienkatechetin im Burggrafenamt.
Dienst
am jungen Volk und viel Arbeit
Die
frische Mitarbeiterin der Franziskaner verkündete die "Frohe
Botschaft" von 1969-1977 besonders in den 1. Klassen der Grundschule
von Obermais und Stadt und stieg dann auch in die Mittelschule Rosegger
am Sandplatz ein. Weil Ende der 70er Jahre Salvatorianerinnen am Arbeitsplatz
"Hermann von Gilm" den katechetischen Dienst übernahmen,
verlegte die Ida ihre unterrichtende Tätigkeit in die Mittelschule
Rosegger und seit Anfang der 80er Jahre stand sie auch vor den Mittelschülern
von Obermais. Als 54-Jährige ließ sie nach 22 Jahren "Reli-Einsatz"
die Schulhäuser hinter sich und trat in den katechetischen Ruhestand.
Wievielen Kindern und Jugendlichen ist die Pfarr-Religionslehrerin Begleiterin
in Freud und Leid gewesen?
Die
Schwangerschaft der Pfarre St. Georgen
hat
die Ida Fulterer zwar nicht ausgetragen, aber bei der Geburt am 8. 12.1969
war sie schon dabei. Obwohl die junge Frau von Anfang ihres Obermaiser
Daseisn an durch den Religionsunterricht "gebunden" war und
bei den Franziskanern liturgisch nicht beansprucht wurde, gab es doch
von Beginn an einige Aufgaben. Im bürokratischen Teil des Kellers
galt es Taufen einzutragen, Eheschließungen zu vermerken und die
Verstorbenen in den Registern weiterleben zu lassen. Die Pfarrkartei wurde
aufgebaut und die Glückwünsche an die Jubilare tragen die Handschrift
der Pastoralassistentin. Die Schriftzüge könnten als Vorbilder
dienen und Geschenke werden gekonnt verpackt. Im Büro gab es zuerst
eine "gleitende" Arbeitszeit, bei Pfarrer Eppacher wurden dann
bestimmte Sprechstunden eingeführt und Einzug "zu ebener Erde"
gehalten. Seit Jahren führt die pastorale Bürokraft Buch über
Ein und Ausgaben der Pfarrei und setzt sich dafür ein, daß
die Geldmittel "beim Kirchturm" bleiben. Die Seniorengruppe
betreut sie seit Jahren mit ihren Mitarbeiterinnen und gewissenhaft schaut
die Sekretärin, daß das Pfarrblatt rechtzeitig vorbereitet
und der Platz darin nicht durch "freie Zonen" entwertet wird.
Bei der Frauengruppe der Pfarre gab es viel mitzuhelfen und so weit es
die Zeit zuließ, tat die Ida mit.
Ein
Sachregister der verschiedenen Tätigkeiten
in alphabetischer Reihenfolge herauszugeben, könnte den Einsatz
der Seelsorgshelferin besser abrunden, aber ...der geistliche Chronist
möchte mit ein paar persönlichen Anmerkungen schließen:
Die Jubilarin reist gerne, ist imstande wie die Germanen tagelang Kunstschätze
zu bewundern, gibt sich sehr heimatbewußt (hängt an den"Kastelruther
Spatzen"), wäre mit ihrer Strickkunst imstande, eine ganze Schützenkompanie
mit Socken zu versorgen, liebt Bücher und Bohnenkaffee über
alles, freundet sich mehr mit Kommunika als mit Meditation an, wünscht
sich wenig Sitzungen und flottes Arbeiten, sorgt dafür, daß
die Ehepapiere stimmen und ist allergisch gegen Marokkaner, inländische
Aussteiger und Vertreter von "dolce far niente".
Wir wünschen der 30 jährigen Pfarr-Jubilarin
mit Gottes Hilfe die notwendige Gesundheit, Kraft zum Durchhalten
und vor allem "offene Horizonte" weiterhin. Für allen Einsatz
in Schule und Pfarrei recht herzlich dankend wollen wir am 8.12. beim
Fest dabei sein:
Pfarre, Pfarrgemeinderat und Pfarrer.
P.
Karl: Notizen aus seinem Leben.
P.
Rupert Karl wurde am 27.1.1936 im kleinen Dorf Lauter bei Bamberg geboren.
"Ich weiß nur noch vom Ende des Krieges ein bißchen,
wie wir als Kinder bei Fliegerangriffen in den Luftschutzkeller hinunter
mußten. Von der Schule schickten sie uns hinaus, um für die
Soldaten Huflattichblätter zu sammeln. Damit haben sie Tee gemacht.
Wir waren damals arm. 2 Tage vor der Erstkommunion am Weißen Sonntag
wußte ich nicht, woher die Schuhe nehmen, wenn ich nicht einen Onkel
gehabt hätte, der einen Verwandten als Schuhmacher gehabt hat, wäre
ich beim Fest unbeschuht gewesen. An diesem Tag im Jahre 1945 liefen wir
nach der Andacht nachmittags hinaus zu einem abgestürzten Flugzeug
- sonst gab es damals ja nichts zu sehen! Der Vater mußte in beiden
Weltkriege einrücken.
1950 kam ich von der Schule heraus. Pfarrer werden war eigentlich immer
so a bissle in meinem Hinterkopf - aber weil wir während des Krieges
eineinhalb Jahre keine Schule hatten, konnten wir die Aufnahmeprüfung
bei den Benediktinern in Münsterschwarzach nicht schaffen. Ich wollte
dann Maschinenschlosser werden - aber im Ort bekam ich keine Lehrstelle
und mir fehlte das Vitamin B ( Die Frage lautete: Bist du ein Flüchtling
oder hat dein Vater Rindviecher daheim?). So arbeitete ich fast 4 Jahre
bei Verwandten in einer Bäckerei mit. Mit 18 fand ich in Bamberg
eine Lehrstelle als Großhandelskaufmann in einem Motorradgeschäft.
Und der Chef schickte mich dann noch zu einem Schlosser, um das Schweißen
zu lernen.
In dieser Zeit hat es mich wieder mit dem früheren Berufswunsch hin-
und hergebeutelt und eines Tages sagte ich mir: Entweder gehst du jetzt
oder es wird zu spät. Dann bin ich nach Untermärzbach zu den
Pallottinern gefahren, wo das Noviziat ist und habe mit dem Rektor gesprochen
und der hat gesagt: Also, die Klasse hat bereits um Ostern angefangen,
du kannst ab September dazustoßen. Es hieß fest lernen, um
den Anschluß zu packen. In viereinhalb Jahren schaffte ich das Abitur,
1962 im März. Ein halbes Jahr zuvor starb mein Vater und mit 17 verlor
ich schon meine Mutter. 1963 verschied meine erste Schwester im Alter
von 32 Jahren und die zweite 1977. Jetzt habe ich noch 2 Brüder.
Am 13.Mai 1962 erfolgte die Einkleidung und damit begann das 2jährige
Noviziat bei den Pallottinern. Nach dem Studium in Untermärzbach
kam ich an die theologische Hochschule Valendar am Rhein. Im Juli 1968
wurde ich in der Pallottinerpfarrei " 12 Apostel" in Augsburg
zum Priester geweiht. Bis Ostern 1969 war ich Kaplan in "Christkönig"
in Augsburg und am 1.September 1969 übernahm ich eine Präfektenstelle
in Bruchsal. Dort blieb ich bis April 1974. Dann kam es zum glorreichen(!)
Einzug in Meran. Ich bin nicht gefragt worden - es hat einfach geheissen:
Du hast Anfang Mai in Meran zu sein."
25
Jahre
hat
P. Karl nun in Obermais gearbeitet, das Gästehaus "Pallotti"
saniert und ein Nebengebäude aufgestellt. Vielen Erholungssuchenden
ist er ein geistlicher Gastgeber gewesen und bei der ganzen Arbeit blieb
er der Pfarre St. Georgen ein treuer Mithelfer. Früher ging er bei
vielen Beerdigungen mit ( Es brauchte immer 3 Priester!) und den 8,30
Gottesdienst am Sonntag können wir P.-Karl-Messe taufen.
Er ist ein Mann der "schnellen Schaltung" und der Kraftausdrücke.
Tiefsinniges Philosophieren liegt ihm nicht, er möchte in der Welt
"Hand anlegen". Er singt gerne u. der Pfarrer ist froh, wenn
er dem Franken das "Exultet" überlassen kann. Heimweh hat
er in Obermais kaum einmal gehabt - er fühlt sich wohl und wünscht
sich zum Jubiläum nur die notwendige Gesundheit zur Arbeit. Zu schaffen
machen ihm die hiesige Bürokratie, die Hundeplage, langsame Ministranten
und Würste, die nicht von ihm gemacht sind.
Wir danken dem Pater mit der "rauhen Schale und dem weichen Kern"
für seine Mithilfe im "Acker von St. Georgen" und wünschen:
Ad multos annos!
Die nicht immer folgsamen Schafe samt
Hirten
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