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Mitteilungen
Liebe, singende und nichtsingende Brüder und Schwestern!
(Aus einem Brief der Hl. Cäcilia an die Obermaiser)
Indem daß ihr, liebe Obermaiser, mich bei der Erweiterung der Pfarrkirche
im Jahre 1913 an der Empore so schön als Musikpatronin abgebildet
habt, möchte ich mich zu allererst bei euren Vorfahren recht herzlich
bedanken. Manche von den Nachfahren allerdings wissen nicht mehr, wozu
ich an die Wand gemalt bin und andere gehen an mir vorüber wie die
jungen hei einem Altersheim.
Meistens bleibe ich ja stumm (und denke mir meiniges), aber einmal im
Jahr zu meinem Namenstag möchte ich doch meine Meinung an die Öffentlichkeit
bringen. Übrigens befindet sich mein Platz in der Kirche an einer
idealen Stelle. Gleich hinter mir steht der Chorleiter und sitzt der Organist
und links und rechts kann ich in die jungen bzw. "gereiften"
Gesichter der Sängerinnen und Sänger schauen. Über alles
hinweg thront die Orgel. Unter mir breitet sich im Kirchenschiff eure
Christengemeinde aus und vorne im Altarraum erblicke ich die Geistlichen,
Ministranten und andere Diensttuende. Wenn ich mir so die mehr oder weniger
fromme Kompanie beim Volksgesang anschaue, darin vergeht mir manchmal
die Freude.
Es gibt Leute, die überhaupt nicht den Mund auftun (außer bei
Sauerstoffmangel) und andere täten gerne, aber sie getrauen sich
nicht, weil die Nachbarn meinen könnten, es wäre ein 13 im Lotto
zu feiern. Manche sehen zu wenig, etliche nehmen von Haus aus kein Buch
in die Hand, weil sie sich dabei wie ein Firmling neben einem Paten vor-kommen.
Es gibt welche, die nur gewohnte Gesänge vertragen ("Stille
Nacht einmal im Jahr und "Großer Gott, wir loben dich.."
zu Silvester) und nicht we-nigen geht das "Gotteslob" auf die
Nerven, weil die Lieder "so alt" klingen. Den Letzteren möchte
ich gerne erzählen, daß kürzlich beim Festgottesdienst
in der evangelischen Kirche von Meran die Gemeinde die Lieder aus der
Reformationszeit tapfer mitgesungen hat.
Wenn ich so die Schüler am Sonntag beim Volksgesang anschaue, wie
sie drein, schauen, dann kommt mir oft vor, sie sind so beteiligt wie
jemand nach der Testamentseröffnung, wenn er nichts geerbt hat. Ganz
nah und doch so weit weg. Es ist für sie auch wahrlich schwer, die
ganze Woche Bücher anzuschauen und am Sonntag auch noch. Selbst aus
den meisten Ministranten vorne wer-den kaum Mitsinger, sie geben sich
als Buchhalter zufrieden. Eine besondere Kunstfertigkeit haben einige
Kinder entwickelt, wenn es darum geht, die 2 Bänder im Gesangbuch
zusammenzuknoten und dem "Gotteslob" die Haut abzuziehen. Wahrscheinlich
braucht es in Zukunft Lieder zum Anfassen. Verzeiht, wenn ich heute schimpfe
und dabei auch übertreibe. Auch Heilige können manchmal die
Geduld verlieren. Wie schön wäre es, wenn die Leute mit ein
bißchen Freude an die Lieder herangingen und das "Lob Gottes"
aus vielen Kehlen käme. Es braucht dazu ein wenig Mut und ein offenes
Herz.
Meine Anerkennung spreche ich jetzt gerne all denen aus, die bisher fest
mitgetan haben. Den Organisten und Kantoren, dem Kirchenchor samt Chorleiter,
der Bürgerkapelle, den Jugendlichen und der Jungschar, den Flötenkindern,
der Elterngruppe beim Kindergottesdienst und allen anderen, die gelegentlich
aushelfen, danke ich von Herzen und wünsche viel Geduld - ich weiß
- es ist gewiß nicht immer einfach!
Euch
alle grüßt die "Cäcilia von der Orgelempore".

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