Die Ursprünge:

Die Musikkapelle Vöran wurde im Jahre 1853 gegründet. Es ist mündlich überliefert, dass drei Vöraner zu Fuß nach Meran gingen, um ein Instrument zu erlernen. Diese drei, deren Namen leider nicht mehr ergründet werden konnten, haben die Musikkapelle Vöran ins Leben gegründet. Die Kapelle wurde gegründet, um kirchliche Feste und Feiertage zu umrahmen. Allerdings beschränkte sich das Spiel der Kapelle auf weltliche Konzerte nach der Messe und auf die Umrahmung der Prozessionen. Innerhalb der Kirchenmauern durfte nicht gespielt werden. Bis um 1900 dürfte sich das Spiel der Kapelle auf das Dorf Vöran beschränkt haben. 1896 nahmen die Vöraner gemeinsam mit der Musikkapelle Mölten an der 100-Jahr-Feier zum Herz-Jesu-Gelöbnis teil, wobei Franz Villgrattner damals die musikalische Leitung inne hatte. 1909 nahm die Mk auch an der Feier zum Gedenken an die Tiroler Freiheitskämpfe von 1809 teil.

Weltkriege, Zwischenkriegszeit, Option und die Nachkriegszeit:

Im Ersten Weltkrieg konnte der Spielbetrieb ständig aufrechterhalten werden, allerdings mussten einige Musikanten einrückten, woraus der Kapelle einige Probleme in der Besetzung erwuchsen.
1919 wurde Südtirol von Italien annektiert. Bald darauf kamen die Faschisten an die Macht, welche Südtirol vollkommen italianisieren wollten. Um die deutsche Kultur zu eliminieren, wurden Vereine teils verboten oder aufgelöst, teils schikaniert oder im Falle der Musikkapellen für die faschistischen Zwecke vereinnahmt.
So geschah es auch in Vöran: Die Faschisten traten in Vöran zwar weniger agressiv auf –
so wurde etwa das Tragen der Tracht im Gegensatz zu anderenorts nie verboten und die Kapelle musste auch nicht dem italienischen Freizeitverein Dopolavoro beitreten –
doch musste auch hierorts italiensiche Literatur gespielt werden (vor allem Mussolinis Hymnus „Giovinezza“ und die Nationalhymne).
Trotzdem wurden die altösterreichisch-tirolischen Stücke stets beibehalten, oft unter dem Deckmantel der Gabe neuer italienischer Titel.
Die Faschisten bedienten sich auch der Kapelle für ihre Feierlichkeiten. So kam der Präfekt, oberster Verwalter der Provinz Bozen, mehrmals nach Vöran und lobte die „Kapelle in ihrer schönen Ortstracht, für die Exzellenz seine Anerkennung aussprach“.
Unter dem Faschismus begann also die allmähliche Emanzipation von der Kirche.
ie Musikanten begannen zunehmend, rein weltlich aufzutreten. So beteiligten sich die Vöraner ab 1930 mehrmals am Traubenfest in Meran.
Doch die Bindung zur Kirche ist bis heute erhalten geblieben. Die kirchlichen Feste stellen bis heute etwa die Hälfte der Tätigkeit des Vereins dar.
Zur Zeit der Option wurde die Musikkapelle gespalten. So gab es in dieser dunklen Zeit kurz zwei Kapellen in Vöran:
die der Dableiber und jene der Optanten für Deutschland. Die Dableiberkapelle ging beim Neujahrwünschen zu den Dableibern, die Optantenkapelle zu den Optanten.
Danach löste sich die Optantenkapelle auf. Und obwohl nur die wenigsten Deutschwähler wegen Ausbruch des II. Weltkrieges wirklich ins deutsche Reich auswanderten,
kehrten diese erst nach Ende des Krieges wieder zur Musikkapelle zurück.
Daraus ersieht man die tiefe Kluft, die die Option in das Südtiroler Volk riss. Trotz aller widrigen Umstände konnte der Spielbetrieb auch während des II. Weltkrieges stets aufrechterhalten werden.
Doch unmittelbar nach dem Krieg war das Ende der Kapelle nahe. Grund war nicht der Mangel an Musikanten, sondern das Fehlen eines musikalischen Leiters, da dieser plötzlich von Vöran abwanderte.
Nur dem Einsatz des damaligen Kooperators in Vöran, Rudolf Trambusch, ist es zu verdanken, dass am 2. Jänner 1946 nach mehrmonatiger Pause wieder mit den Proben begonnen und im August das erste Mal wieder auf dem Dorfplatz konzertiert wurde.
Nach dem Krieg herrschte allgemeine Aufbruchstimmung auch bei den Musikkapellen des Landes.
1948 wurde der VSM (Verband Südtiroler Musikkapellen) gegründet, dem sich alsbald auch die Musikkapelle Vöran anschloss.
Der VSM forcierte die Erneuerung des völlig überalterten Musikrepertoires. Auch in Vöran war das Spielgut seit der Gründung kaum verändert worden. Doch auch hier begann zaghaft die Erneuerung des Spielgutes, welche in ab den 50er Jahren noch verstärkt wurde.

Die Fünfziger:

In den fünfziger Jahren spielte die Musikkapelle zu verschiedenen Anlässen unter anderem auch bei einem gemeinsamen Treffen der Mk Mölten, Flaas, Vöran und Gargazon im Jahre 1950 oder beim Bauernfest in Sterzing. 1953 feierte die Musikkapelle ihr 100-jähriges Bestandsjubiläum. Damals zählte man etwa 30 Mitglieder. am 10. Oktober 1954 wurde an den Wertungsspielen anlässlich des 2. Südtiroler Landesmusikfestes teilgenommen.

Die Sechziger:

In den sechziger Jahren wurden, ähnlich wie heute, geistliche und weltliche Feste umrahmt. Am Ostersonntag des Jahres 1968 trat die Musikkapelle das erste Mal in der „Tschögglberger“ Tracht auf; und diese Tracht tragen die Musikanten noch heute.

Die Siebziger:

1973 wurde das 120-jährige Bestandjubiläum gefeiert, an dem der damalige Verbandsobmann Matthias Kiem Stickler als Festredner fungierte. In jenem Jahr nahm die Kapelle auch an der Feier zum 25-jährigen Bestehendes VSM und 1979 am Bezirksmusikfest in Lana teil. In den 70er Jahren wurden auch erste Auslandsfahrten unternommen.

Die Achtziger:

Anfangs der achtziger Jahre knüpfte man Kontakte mit der Stadtkapelle Bobingen/Deutschland. Daraus wurde eine Freundschaft, die auch heute noch anhält. 1988 nahm die Musikkapelle an den Wertungsspielen anlässlich des 8. Bezirksmusikfestes teil.

Die Neunziger:

In den neunziger Jahren erlebte die Musikkapelle einige grundlegende Neuerungen. 1993 feierte die Kapelle ihr 140-jähriges Bestandsjubiläum. Festredner war damals Altlandeshauptmann Silvius Magnago. 1995 wurde erstmals ein Jugendleiter nominiert, was sich auch nachhaltig auf die Jugendarbeit auswirkte. Beim Osterkonzert 1997 debütierten die ersten Mädchen. 1999 wurden sie mit einer eigenen Tracht, passend zur Männertracht, eingekleidet. Im selben Jahr nahm man auch am Bezirksmusikfest und somit an der Marschmusikbewertung in Burgstall teil.

Die Gegenwart:

Heute bewegt sich die Mitgliederzahl an der 60er-Grenze. Am Ende der achtziger und anfangs der neunziger Jahre wurden die Jungmusikanten in die Musikschule nach Meran gefahren. Heute erfolgt die Ausbildung der Jungmusikanten teils in Vöran durch qualifizierte Lehrer, teils in der Musikschule Meran. Die Jugendleitung hat in den letzten Jahren ein Abschlusskonzert für die Musikschüler, weiters eine Jugendkapelle für fortgeschrittene Nachwuchsbläser, unterstützt von Musikanten, sowie die Tschögglberger Jungbläserwoche eingeführt.

In den letzten Jahren wurde auch vermehrt auf die Zusammenarbeit zwischen den Kapellen des Tschögglbergs gesetzt. So hat es im Sommer 2001 ein Musikantentreffen auf dem Salten gegeben, im Herbst desselben Jahres eine Jugendorchester des gesamten Tschögglbergs.

Seit 1991 wird auch eine Chronik geführt, seit 2001 ist der Verein im Internet präsent. Die Kapelle finanziert sich durch Feste, öffentliche Beiträge, Konzerte und Spenden von Seiten der Bevölkerung. Seit 2000 existiert die Böhmische Vöran als fixer Ableger der Musikkapelle.

Die Zukunft:

2003 hat die Kapelle ihr 150jähriges Bestandsjubiläum gefeiert. Ziel für die Zukunft muss es sein, die bis heute geschaffene Struktur des Vereines zu verwalten und neue Initiativen etwa in Jugendarbeit oder auch in Punkto Finanzierung zu schaffen, aber auch Tradition, sei es in Tracht, Repertoire und in ihrem Wirken zu erhalten. Auch ein Ausbau der Beziehungen zu den Kapellen des Tschögglbergs ist anzustreben.