Geschichte vom Dom zu Bozen:

1184 wird die jetzige Kirche "Maria Himmelfahrt" in Bozen erstmals als Marienkirche erwähnt. 1238 wird sie bereits Pfarrkirche genannt. Im 14. Jahrhundert, nachdem die Kirche schon mehrere Brände überstanden hatte, begann eine rege Umbautätigkeit: die alte romanische Apsis wurde abgerissen und durch einen gotischen Querbau ersetzt, drei Apsiden im Osten angefügt und die Kirche wurde sogar dreischiffig erweitert (wobei jedoch viele romanische Elemente erhalten geblieben sind).

Spätestens zu Beginn des 16.Jahrhunderts hat die Pfarrkirche, ausgenommen die an den Chor angebaute Barockkapelle, die heutige Gestalt angenommen. Ein Glanzstück gotischer Architektur stellt dabei der 62,60 m hohe Glockenturm dar, welchen der Baumeister Hans Lutz von Schussenried von 1500 bis 1519 errichtete. Wir Dom-Ministranten dürfen einmal im Jahr eine Turmbesteigung wagen und können dann direkt unter der goldenen Spitze über die Dächer der Landeshauptstadt hinwegblicken.... Der gotische und formenreiche Turm ist auch das Wahrzeichen der Stadt Bozen.

Die aus Sandstein gehauene Kanzel entstand zur selben Zeit und stellt die vier Kirchenväter in seltener Verbindung mit den Evangelistensymbolen dar. Ausserdem weist die kunstvolle Kanzel auch das Wappen des edlen Spenders auf: Der Gastwirt Jost Ortlieb spendete 1511 rund 150 Gulden (mehr als die Hälfte der Baukosten; für den Rest kamen andere wohlhabende Bürger auf), weshalb man sein kurioses Familienwappen einmeißelte: nämlich einen Mann mit einem toten Hasen in der Hand!

Der barocke Hauptaltar stammte ursprünglich von Giovanni B. Ranghieri und Domenico Aglio (1719) ist aber teilweise den Bomben des 2.Weltkrieges zum Opfer gefallen. Im Jahre 1959 wurde er dann aber wieder vollständig hergestellt. Der beinahe bis an das gotische Sterngewöbe reichende Aufbau besteht aus edlem Carraramarmor. Blickt man durch diesen Marmorbau, so sieht man den glänzenden Altaraufbau der alten Nikolauskirche, welche südlich des Domes gestanden ist (aber durch Bomben zerstört wurde). Früher wurden die Messen immer vom Hochaltar aus gelesen (damals mußten die Ministranten auf lateinisch antworten !); heute feiert man die hl. Messe vom sog. Volksaltar aus, welcher vor dem marmornen Hauptalter steht. Der Volksalter wurde erst 1977 vom Künstler Michael Höllrigl (Lana) errichtet und bildet mit dem von ihm geschaffenen Ambo und Bischofs-/Priestersitz einen modernen Kontrast zum alt ehrwürdigem Inneren des Domes.

Im Altarraum befindet sich auch der von Martin Rainer 1968 geschaffenen Tabernakel. Über dem Altar hängt hingegen ein sehr altes Kreuz ("Kruzifix") welches um 1320 geschnitzt wurde. Genau darunter befindet sich eine Reihe von Ministrantensesseln und es erweckt nicht selten in uns den Eindruck, daß der zur Seite gerichtete Blick Jesu´s genau uns trifft !

Hinter dem Altarraum befindet sich die barocke Gnadenkapelle. Diese ist 1745 vollendet worden. In ihr wird eine Madonna-Steinfigur aufbewahrt, welche nach der Überlieferung von einem veronesischen Fuhrmann im sumpfigen Gelände gefunden worden sei. Demnach habe der Mann die Stimme gehört:"Heb mich auf " und sodann die Madonna Statue gefunden. Da man Sumpf bei uns auch Moos nennt, wurde die Steinstatue "unsere liebe Frau im Moos" genannt.

 

Diese Marienkapelle weist weiters auch Deckenfresken vom schlesischen Meister Carl Henrici (um 1771) auf. In der Kapelle (in welcher wir immer werktags ministrieren) befinden sich auch in zwei edlen Schreinen die Reliquien des Schutzpatrons von Bozen, dem seligen Heinrich, und des Fürstbischofs Johann Nepomuk von Tschiderer.

In der Gnadenkapelle bzw. im rechten Seitenschiff wird auch das südtirolweit bekannte Herz- Jesu Bild aufbewahrt. Dieses wurde aller Wahrscheinlichkeit nach auch von Carl Henrici angefertigt und nimmt in Südtirols Geschichte eine bedeutende Stellung ein; es nimmt sogar wie es viele Kunstkritiker aus aller Welt umschreiben eine große Bedeutung für ganz Tirol ein. Beim Anmarsch Napoleons (nachdem er Mailand erobert hatte) legten die Hochstifte und Stände des Landes Tirols (zu dem damals freilich auch Südtirol gehörte) ein feierliches Gelöbnis ab und schlossen in der Kirche ihrer Pfarre von Bozen am 1. Juni 1796 einen Bund mit dem göttlichen Herz Jesu. Viermal wurde dieser Bund (1896, 1946, 1984 und 1996) besonders feierlich verehrt. Bei der letzten großen Gedächtnismesse waren über 7.000 Menschen in Bozen um mit uns die Messe zu feiern; es waren Bischöfe und Äbte aus dem ganzen Alpenraum anwesend und die Messe wurde live im lokalen Staatsfernsehen RAI Sender Bozen übertragen (wir Ministranten mußten eine eigene Fernsehprobe mitmachen).

Jedes Jahr wird das Bild im Monat Juni aus dem Schrein genommen, auf den Hauptaltar gebracht und am Herz Jesu Sonntag (Sonntag nach Fronleichnam-Sonntag) feierlich in einer bunten Prozession durch die Gassen unserer Stadt getragen.

Neben dem bronzenem Hauptportal der Kathedrale von Bozen befindet sich ein eingemauerter Opferstock, die sog."Plappermutter". Der Überlieferung nach baten hier verzweifelte Mütter um Hilfe für ihre Kinder, die Sprechfehler hatten.

An der Nordfront der Bischofskirche befindet sich auch das erwähnenswerte "Leitacher Törl" (= Leitacher Türchen). Warum dieser Eingang so vom Volke genannt wurde ist nicht genau geklärt: entweder da es in die Richtung des Örtchens Leitach zeigt oder da hier früher Weintrauben bzw. Wein (aus dem Weinanbaugebiet Leitach) abgegeben wurde. Den Torbogen umrahmen jedenfalls mehrere Steinfiguren, welche Winzer (Weinbauern) darstellen.

Der Dom zu Bozen ist seit der Übersiedlung des Bischofs nach Bozen seit 1975 auch Bischofskirche; d.h. also Kathedrale. Es befinden sich zwei Orgeln in ihrem Inneren, viele gotische Altäre, romanische Fresken,Grabsteine oder etwa auch Statuen. Der Dom ist aufgrund seiner Größe (es ist die längste Kirche zwischen Verona und München !) und seinem Kunstreichtum beliebtes Besichtigungsziel vieler Touristen.

Der Bozner Dom (und dessen Turm) ist auch das Wahrzeichen der Landeshauptstadt.

In der Kathedrale gibt es aufgrund unserer mehrsprachigen Situation (s. Geschichte Bozen) sowohl Messen in deutscher wie auch in italienischer Sprache. Hochämter mit dem Herrn Bischof werden auch meist in beiden Sprachen (und ladinisch - nicht verwechseln mit lateinisch !!) abgehalten. Italienischsprachige Ministranten gibt es fast keine, da diese (in der Altstadt) in der Domenikanerkirche ihren Dienst versehen.