Die Pfarrkirche Lengmoos:
Die Pfarrkirche Lengmoos war ursprünglich eine Hospizkirche für
das Hospitz des Ordens auf dem sog. St. Ulrichs-Paß an der uralten
Brennerstraße resp. der Rittner Wegstrecke. Dieses Hospitz war Rasthaus
für alle Reisenden nach Nord und Süd, ein Pilgerhaus bei den
damals be schwerlichen und auch gefahrvollen Weg- und Reiseverhältnissen.
Die Deutschordenskirche Lengmoos war ursprünglich im romanischen Stil
erbaut: Langhaus, Hauptportal und der Turm mit der Jahreszahl 1211. Die Kirche wurde am 13. Juli 1225 von Bischof Gebhard von Trient geweiht.
Der ursprünglich alte Kirchenpatron war der hl. Bischof Ulrich von
Augs burg (+973). Im Spätmittelalter wurde die Kirche der seligsten
Jungfrau und Gottesmutter Maria, aufgenommen in den Himmel, der 1. Patronin
des "Marianischen Deutschen
Ritterordens ", wie er auch genannt wurde, geweiht.
Um 1400 baute man an die Kirche einen gotischen Chor.
Im Langhaus links vom Eingang sind die Reste gotischer Fresken, vermutlich
von der Bozner Schule um 1410 zu sehen. Im Chor unter der Tünche harren
solche der Freilegung und Restaurierung.
In der Krypta war das Erbbegräbnis der Edlen von Velthurns mit deren
Wappenstein von 1432.
Im Jahre 1513 erfolgte unter dem Landkomtur Heinrich von Knöringen
und und dem Lengmooser Hauskomtur Jörg von Spaur die Ausschmückung
der Kirche mit einem gotischen Netzgewölbe. Oben in diesem Gewölbe
finden sich die Wappenschilde der Beiden, ganz vorne das Wappen des Hochmeisters
Albrecht von Brandenburg (nach Abfall vom Orden 1525 weltlicher Fürst
des einstigen Ordenslandes Preußen als polnischer Vasall).
Im 19. Jahrhundert bekam die Kirche eine neugotische Inneneinrichtung.
Die Glasfenster in der heutigen Form sind um 1870 eingesetzt worde n. Im
Langhaus zeigt das mittlere Fenster rechts das Wappen des damaligen Komturs
Grafen Herberstein; unter dem mittleren Glasfenster im Chor, darstellend
die Krönung Mariens inmitten der hlst. Dreifaltigkeit, das Wappen
des Komturs Frhr. v. Risenfeld.
Lengmoos:
Seit dem Jahre 1211 Niederlassung des Deutschen Ritterordens oder, wie
er seit seiner Gründung im Jahre 1190 resp. 1127 (1. deutsches Hospital
zu Jerusalem) hieß:
"Orden der Brüder vom Deutschen Hause St. Marien zu Jerusalem". Dieser,
zeitlich der dritte der großen Ritterorden des Mittelalters entstand
aus einem Feldhospital bei der Belagerung der Stadt Akkon im Hl. Land auf
dem 3. Kreuzzuge.
In der wechselvollen Geschichte des Ordens residierten die "Meister" des
Ordens, nachmals Hoch- und Deutschmeister genannt, zuerst im Hl. Land,
sodann in Venedig, seit 1309 in der Marienburg in Westpreußen, seit
1526 in Bad Mergentheim, seit 1806 in Wien, daselbst bis heute.
Das Ritterstatut des Ordens ist seit 1929 erloschen. Der letzte Ritter-Hochmeister,
Erzherzog Eugen von Österreich, Feldmarschall im 1. Weltkrieg, resignierte
freiwillig 1923 in Basel. Er verstarb 1955 in Meran. Der Orden ist seit
1929 ein Priesterorden, von Priestern geleitet.
Im Jahre 1202 kommt der Orden nach Bozen. 1211 tritt der Priester Wernher
von Lengmoos (aus dem Hause der Edlen von Velthurns) in den Orden ein und
bringt sein Erbteil an Grundbesitz mit, das dem Orden auf dem Ritten mit
geringen Veränderungen heute noch gehört.
Das Ordensgebiet im heutigen Südtirol hieß seit altersher "Ballei
an der Etsch und im Gebirge". Dazu gehörten die Landkommende Weggenstein
in Bozen, die Kommenden Lengmoos, Sterzing und Schlanders. 10 Pfarreien
besitzt der Orden heute noch, darunter die uralte Pfarre Lengmoos, seit
1211 von Deutschordenspriestern betreut; ferner im Ritten noch die Pfarren
Unterinn, Oberinn und Wangen. Zentrum des Ordens in Südtirol ist Lana
bei Meran. In der dortigen Pfarrkirche zu Niederlana steht der größte
gotische Flügelaltar von ganz Tirol, 1526 von dem Meraner Meister
Hans Schnatterpeck vollendet.
Die Kommende Lengmoos:
Am Verbindungsgang zur Kommende ist ein einfaches Deutschordenswappen mit
der Jahreszahl 1430 eingelassen, darüber dargestellt das Schweißtuch
der Veronika mit dem Antlitz Christi, d. i. Kennzeichnung des Hauses als
Hospiz für die Rompilger.
Über dem Toreingang zur Kommende ist das Wappen des Hochmeisters Erzherzog
Leopold Wilhelm von Österreich, 1652, angebracht, über dem Hauseingang
zur Kommende im Innenhof das Wappen des Hochmeisters Clemens August, Kurfürst
von Köln, aus dem Hause Wittelsbach.
"Herr, laß mich wie eine Kirche sein,
voll Ruhe und Trost den Anderen,
daß alle, die da treten herein,
getröstet von dannen wandern."
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