| PeterKaser |
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: vorstellung / presentazione: benno
simma |
| Einführung zur
Lyrik-Installation himmel & hoell von Kurt Lanthaler am Brenner, 8.9.01 Introduzione alla performance lirica "himmel & hoell" di Kurt Lanthaler al Brennero, 8/9/01 Meine Damen und Herren, ich beginne meine Einführung mit einem umstrittenen Zitat zur Sache. Autor ist Johann Wolfgang von Goethe auf der Durchreise am Brenner: und nun erwarte ich daß der Morgen diese Felsenkluft erhelle, in der ich auf der Grenzscheide des Südens und Nordens eingeklemmt bin. Zitatende. Sogar unser sommo poeta mußte für die chauvinistische Ideologie eingespannt werden, um die Grenzlinie zu rechtfertigen. Danach kam Schengen. Die europäische Einführung des Unsicherheitsfaktors. Das Bestehen der Staaten ohne sichtbare Trennlinien. Senza cippi né sbarre. Sì, è il crollo dei confini, lo stato è senza bordi definiti, vige lassenza del limite da oltrepassare: questo è il vero incubo delluomo ligio e prevedibile, avvezzo alle sicurezze del potere. Anche Giovanni Wolfango Goethe mi scuso di non aver latinizzato questo cognome a dire il vero impronunciabile si pone le stesse questioni se passando il Brennero dice: ed ora aspetto che il mattino rischiari questa gola alpestre nella quale sono serrato, qui sul confine tra il settentrione ed il mezzogiorno. Forse ebbe lo stesso crollo disorientante del nostro fedele funzionario. Aber wie immer liegen die Gedanken tiefer, unter dem Abgrund und unter den Stufen des Weges nach oben in den Himmel und nach unten in die Hölle. Na, Leser dieser Treppen, die Ihr gekommen seid: Handleser oder Fußleser? Durchblickend oder dumm? Tiefgründig oder schnelllebig? 84 Fragen auf 84 Antworten ohne Gewähr der absoluten Wahrheit. Brenner. Dieser Ort ist zu Recht ein Kunstort. Peter Kaser und Hans Winkler laden seit einem Jahr zur Intervention mit allen Mitteln der Kunst, bis hin zur Literatur. Kurt Lanthaler gibt die Antwort heuer. Jetzt. Danach. Il poeta in esilio da Berlino dà la soluzione al caso. Risponde per le rime. 84 doppi versi sulloffuscamento di un uomo abituato troppo al pensiero statico fuorchè quello del traffico collassante sulle autostrade dEuropa senza bordi e senza limiti. Il luogo darte, questo punto di Peter Kaser e Hans Winkler suddiviso in 84 stazioni del pensiero ci fa salire. O scendere? La salita implica la caduta, la vita sale verso la sua fine. Linferno? Ist alles Gute im Streben nach oben und alles Schlechte im Fall nach unten? Schon wieder stelle ich in dieser Einführung zu viele Fragen. Bei genauerem Hindenken ist die Grenze wohl eine Trennlinie zum Unendlichen. Tschaekk Madoia-Philosophie? Vielleicht. Der Druck des Rands auf ein geregeltes Leben - wie dem eines aufstrebenden Staatsdieners oder gewählten Volksvertreters - ist enorm. Die Kante ist die letzte Grenzlinie einer abgeschlossenen Lebensform. Die ellyptische Wiederkehr der Existenz. Jede Begrenzung der Grenzen schränkt aber die Möglichkeiten des Lebens ein, auch jene des Todes. Auch an der Brennergrenze, dort wo der Eisack entspringt und die Richtung nach Süden einschlägt, abwärts in die warmen Jagdgründe. So ist es, meine lieben angehenden Fußleser und sinnierende Stufengeher. Bevor Sie an dieser Treppe 84-mal innehalten und der Stimme von Martin Abram lauschen, müssen sie es wohl irgendwie getschaekkt haben: an Grenzen gewöhnt man sich. Grenzopfer verlieben sich in Grenzhenker. Auch Eingrenzung und Trennlinie werden zur Gewohnheit. Wenn sie dann nicht mehr existieren, entsteht ein Gefühl der Leere, der Orientierungslosigkeit, bis hin zur geistigen Verwirrung. Ich rate Ihnen schnellstens Ihre Lire und Schilling zu vergessen. È certamente così: le costrizioni al limite sembrano ovvie, ci si abitua ai confini. Quando queste barriere spariscono, ci sentiamo disorientati, persi e lasciati a noi stessi. Carrisimi lettori e uditori in ascesa, pensateci molto bene e ascoltate i versi letti da Martin Abram, voce suadente, e meditate sul vuoto lasciato dalla caduta dei limiti. AccingeteVi allascesa, perché la Lira e lo Scellino non ci saranno più. Benno Simma |