| "... ich lerne
die Gier / nach
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Biobiblio:
Sepp Mall, geboren in Graun/Vinschgau (Südtirol) am 31.12.1955, Gründungsmitglied der Südtiroler Autorenvereinigung (SAV), Mitglied der Grazer Autorenversammlung und der IG Autoren (Wien), wohnhaft in Meran. Autor und Herausgeber. Schreibt Gedichte, Erzählungen, Romane, Hörspiele.
Mitautor (gemeinsam mit S. Gruber, K. Lanthaler, A. Pichler und J. Oberhollenzer) des
Kriminalromans
"Espresso mortale",
erschienen als Fortsetzungsroman in der "Neuen Südtiroler Tageszeitung"
1996/97.
Mitherausgeber der Skolast-Sondernummer "Literatur" (mit Josef Oberhollenzer). Herausgeber (mit Elmar Locher und Rut Bernardi): "Leteratura Literatur letteratura Texte aus Südtirol", edition sturzflüge, Bozen 1999
Textbilder zusammen mit dem Bildhauer und Graphiker Ulrich Egger, dazu Ausstellungskatalog "Vertraute Orte" (1999).
Mehrere Literaturpreise und Stipendien, u.a. 1. Lyrikpreis beim "Wettbewerb für künstlerisches Schaffen der Stadt Innsbruck" 1990, Internationaler Lyrikpreis der Stadt Meran 1996, Österreichisches Staatsstipendium 1996/97.
Buchveröffentlichungen:
1992 Lyrikband "Läufer im Park. Gedichte" im Haymon-Verlag Innsbruck (vergriffen)
1993 Erzählung "Verwachsene Wege", Haymon-Verlag (vergriffen)
1996 Erzählung "Brüder", Haymon-Verlag (vergriffen)
1998 Lyrikband "Landschaft mit Tieren, unter Sträuchern hingeduckt", ebenfalls im Haymon-Verlag
Bücher:
"Eine Handvoll Gedichte voller Luft und Duft, Einatmen, Ausatmen. Sepp Mall erreicht eine Meisterschaft in der Augenblicksbannung ..." (Tiroler Tageszeitung)
"Was da scheinbar so leicht, unaufdringlich, ja behutsam auftritt, das hinterläßt tiefe Spuren." (Salzburger Nachrichten)
"Sepp Malls Gedichte sind Impfungen, die gegen die Abstumpfung resistent machen." (Blickpunkt)
"In den geringfügigen Verschiebungen ( ...) liegt die Wirkung von Malls Lyrik, dem große Worte ebenso fremd sind wie schrille Effekte." (Neue Zürcher Zeitung)
CDs:
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Eduard Demetz: "Works of...". CD im Eigenverlag Mit 7 Liedern für Sopran, Klarinette und Klavier nach Gedichten aus "Läufer im Park" von Sepp Mall |
Heinrich Unterhofer:
Siggi Haider, Hannes Sprenger: Partitour. Hörstücke für Akkordeon, Saxophon und Stimmen (CD EX 315-2); mit vom Autor gelesenen Gedichten aus "Landschaft mit Tieren unter Sträuchern hingeduckt"
Hörspiele:
* Nacht in Izmir, Nacht in Innsbruck, ORF-Radio Tirol 1995 (erhältlich auf CD "Literatur im Studio" - ORF-Radio Tirol)
* Inferno Solitario, ORF-Radio Tirol 1997
* Silence please, ORF-Radio Tirol 2001
Inferno solitario
(unveröffentlicht)
I.
Nein
Für uns gibt es das nicht
mehr
dieses andre / jene
Welt / jenseits unserer Horizonte
auf der anderen Seite
unseres Wissens
Nein / da gibt es nichts
es ist sinnlos
daran zu glauben / worauf
man nicht mehr hoffen kann
: an den Ort der Bestrafung
den Ort der Gerechtigkeit und der
Abrechnung / wo dir der Spiegel
vorgehalten wird / und du dich
erkennst
Dreh dich doch um / sieh
zurück / zu dem
der dich begleiten sollte
der dir versprochen / in alten Geschichten
doch da / ist keiner mehr
Keiner
der dir die Hand
auf die Schulter legt / und
dich geleitet
keiner / der mit dir geht
: Außer dem / der dein eigenes
Gesicht trägt / der deine Sprache
spricht / und deinen Schatten wirft
seine Handflächen nach außen dreht
zu den Sternen: du
Du allein
Aber vielleicht / ist genau das
die Strafe: daß man immer auf die eigenen
Füße fällt / immer zurück
in die Windungen des eigenen
Hirns
auch dann / wenn wir schreien
lechzen nach Erlösung
von den eigenen Vergehen / den
kleinen tagtäglichen / den
Notlügen / dem
Wegschauen / dem
raschen Abwinken: uns geht das alles
nichts an
: da ist keiner mehr / der dich schickt
in die Qualen / ins Feuer
damit du abtragen kannst
und abzählen / bis du wieder ins Lot kommst
in die Waagrechte / ins
Reine
Richte dich selbst / heißt es
Geh
zum Psychiater / schau zu
wie du zurechtkommst
Sei dein eigenes Maß / heißt es
mach die Sachen / mit dir selbst aus
oder geh zum Teufel: nicht einmal
den Sarkasmus hören wir noch heraus
Und so bleibst du allein / zurück-
geworfen auf dich selbst
auf die selva oscura deiner Hirnwindungen
dieser obszönen grauen Masse
die dein Wissen aufhäuft
und deine Verfehlungen speichert / die
leisen tagtäglichen
die großspurig verkündeten
die verschämt verdeckten
all die Verabschiedungen
von uns selbst
von denen wir großspurig
sagen manchmal
sie seien ein bißchen / wie Sterben
Und da gibt es kleine Tode
und große auch / stille
über die man einfach hinweg-
schreitet / leichten Herzens
zugang
und andere / die alles
zertrümmern hinter sich
nichts mehr übriglassen
die einen zu Boden drücken
daß man nur mehr / kriechen kann
und kriechend sich fortbewegt
: sieh dich doch um
Richte dich selbst / heißt es
geh
zum Psychiater / schau zu
wie du zurechtkommst
oder vergiß es
: wenn du kannst
Sei dein eigener Herr / heißt es
dir allein / verantwortlich
oder
vergiß es
Wie sagt man uns / wie
reden wir:
Der Platz reicht gerade / für uns
wir können / niemanden mehr aufnehmen
niemanden
Es ist doch viel besser
wenn wir ihnen / drüben helfen
so heißt es: drüben / dort
wo sie herkommen / an den
Orten der Katastrophen
der täglichen Infernos: drüben
So sprechen wir / so
spricht unsere Sprache: Wir
können sie doch nicht alle
hierherlassen / zu-
sehn wie sie hereinbrechen
über unsere Markierungen
und Grenzen
Das hat nichts mit Rassismus
zu tun / keineswegs
sondern mit Intelligenz
mit Verständnis / um die Dinge der Welt
die richtige Entwicklung / das rechte
Maß
Das wenige / das wir haben
teilen wir gerne
so sind wir nicht / Aber jeder
hat mit sich selbst genug zu tun
schließlich
auch wir müssen schauen / wie
wir weiterkommen / überleben
wir haben
uns all das mühsam
erarbeitet / genau
Was können wir
dafür
jeder ist seines Glückes Schmied
jeder für sich selbst / verantwortlich
und Unglück gibt es nun mal / auch uns
ist das nicht fremd
Wir sind doch auch
aufgestiegen / aus dem Dreck
unsere Großeltern waren noch Knechte
und Dienstmägde / niedergedrückt
von ihren Herren
Sie haben nicht mehr gehabt
als das / was sie am Leib trugen
nicht mehr
Aber sie haben sich
selbst heraus-
gezogen aus dem Elend
von uns / könnten andere noch lernen
So reden wir / so
haben wir sprechen gelernt
das sind unsere Buchstaben / mit
denen wir um uns schlagen
das ist die Welt
II.
Dabei / hat all das
einmal ganz anders
begonnen
wenn du dich / erinnerst
an die Geschichten von früher
an die Zeit / als wir noch keine Worte hatten
und nur unseren Instinkten nach-
hingen
an die Zeit vor der Sprache / vor
der Gewißheit / daß es das
nicht mehr gibt
dieses andere / jene Welt
jenseits
auf der anderen Seite unseres Wissens
Nein / das kannten wir nicht
damals
denn wir waren vor allem
eins: gedankenlos
Und das Wichtigste schien uns: lässig
zu sein / wir
lehnten an den Mauern herum
und sahen den Mädchen nach
die auf der Straße vorbei-
schlenderten
die Zwanzigjährigen waren uns schon
viel zu alt / unsere Dummheit
war grenzenlos
Und immer warteten wir auf die eine
die auf uns zukommen würde
und zu haben war / was immer
das auch bedeutete
wir holten unseren Kamm aus der Hosentasche
und zogen den Scheitel nach
bis er gerade war / wie ein Strich
so / vergingen die Nachmittage
und nichts passierte
Trotzdem logen wir uns jeden Abend vor
daß nur die passende Gelegenheit
noch nicht / gekommen sei
und redeten uns hinein
in alle möglichen Situationen und Stellungen
die sich ein sechzehnjähriges Hirn
nur ausdenken kann
Meine hätte ich an die Hausmauer gedrückt
mit der Linken ihre Taille umfaßt
(so hatte ich's im Kino gesehen)
und sie hätte ihr Bein
um meine Schenkel geschlungen
wo sie meine harten Muskeln spürte
vom dauernden Fußballspielen
Das schon hätte sie fertig gemacht
und ihr angeborener Widerstand
wäre gebrochen gewesen mit einem Schlag
und mit einem raubtierhaften Stöhnen
hätten ihre Lippen die meinen gesucht
entflammt vor Liebe und Leidenschaft
Aber das war dann schon / das Ende vom Lied
weiter wußte ich nicht
außer der Vermutung noch
daß man auch mit seinen Händen
etwas anfangen sollte
möglichst etwas streng / Verbotenes
Eigentlich waren wir allesamt Hosenscheißer
wenn eines der Mädchen auch nur
einen verstohlenen Blick auf uns warf
sahen wir weg in die andere Richtung
oder wie zufällig / auf unsere Schuhe
und zogen uns dann gegenseitig auf
: Die hat dich angelacht / sagten wir einander
ich hab es ganz deutlich gesehen
und jeder beschuldigte den nächsten
daß er sich nicht / getraut habe
ihr fest in die Augen zu schauen
und ihr den einen / aufregenden
Satz zuzuwerfen
der sie gleich blind machte
vor Liebe
vor Liebe und Leidenschaft
Fast waren wir froh
wenn wir ungeschoren davonkamen
wenn nichts passierte / was erwähnenswert war
In unseren Träumen waren wir mutiger
und härter als in Wirklichkeit
eine Verwechslung / war ausgeschlossen
Beinahe schon / hätte ich angefangen
Gedichte zu schreiben
über die Liebe / die Sehnsucht
und dergleichen
aber dann passierte doch noch / etwas
an einem heißen Samstagnachmittag
was mein grausam leeres Leben
mit einem Schlag veränderte
Im Odeon / hatte sich eine neben mich gesetzt
obwohl weiter vorn
noch alles frei war / gerade
neben mich
schon das / ließ meinen Blutdruck
ins Unermeßliche steigen
und mein liebeskranker Körper erstarrte
als hätte man ihm eine Überdosis
Andrenalin injiziert
Das Geschehen auf der Leinwand
ging an mir vorüber / wie Wasser
den Kanal hinunterschießt
und im Dunkeln dann
wagte ich einen verwegenen Blick auf die Seite
auf ihre / übereinandergeschlagenen Beine
Was ich sah / ließ mein knabenhaftes Herz
erzittern / und bis in die Ohren
spürte ich / sein hemmungsloses Pochen
Da lag ihre Hand auf der Lehne
dieses gefährliche fremde Fleisch
verwegene zwei Zentimeter
neben der meinen
Ich hätte nur zu husten gebraucht
und schon hätten wir uns berührt
Meine Gedanken wirbelten wie ein Wasserfall
Tu's doch / sagte eine unbekannte Baßstimme in mir
Nein / schrie eine andere
und ich könnte schwören
: es war die meiner Mutter
So mußte sich jemand fühlen
im brennenden Empire State Building
bevor er den Absprung wagt
aus der 20. Etage / ins kaum sichtbare Sprungtuch
unten auf dem Rasen
Wenn mich nur jemand gestoßen hätte von hinten
mein zermartertes Gehirn / hätte aufgeschrien
vor Erleichterung
Auch ein Filmriß wäre jetzt willkommen gewesen
oder ein wirklicher Brand im Kino
etwas / was mich herausgerissen hätte
aus dem Zwang / ein Eroberer
sein zu müssen
ein richtiger Mann
aber nichts dergleichen geschah
Und dann drückte ich die Augen zu
und mit der letzten Kraft
die in meinem Hirn noch brannte
tat ich / was man tun mußte
bei dieser Gelegenheit
Eigentlich war's nur ein Finger
den ich auf ihren legte
und es hätte so ausschauen können
wie ein Versehen / jederzeit entschuldbar
aber sie ließ mich gewähren
und zuckte kein einziges Mal
während der nächsten halben Stunde
Als es hell wurde im Saal
wurde es dunkel in meinem Kopf
ich ahnte / daß ich jetzt etwas sagen mußte
oder zumindest so tun
als wüßte ich was kommt
Aber mein Körper war gelähmt
und meine Zunge / ein totes Tier
in meinem ausgetrockneten Mund
ich war unfähig / meine Hand
aus der ihren zu lösen
: so standen wir auf
und gingen nach draußen
in einen Nachmittag / voller Zweifel
Aber es war: das reine Glück
III.
Und so ist es jetzt: wir wissen
genau / wie wir uns kriegen
wir kennen die Tricks
mit denen wir uns selbst überlisten
die leisen Stimmen von innen
die manchmal noch da sind
in schlafstillen Stunden
zwischen der Nacht und dem
Grauen der Morgen
Wir kennen die Listen und Finten
mit denen wir uns
ruhig stellen / ruhig
: und nachher stehen wir da
und brauchen / niemanden mehr
Niemanden / der uns begleitet
niemanden / der mit uns geht
jenseits unserer Horizonte / was
soll da noch sein
wir haben die Sprache gelernt
das Abwinken
das Wegschauen / uns
geht das alles nichts an
wir glauben / nur noch
: an uns selbst
Nein / für uns gibt es das nicht
mehr
die andere Welt / jene
jenseits unserer Horizonte
auf der anderen Seite unseres Wissen
ist Leere / unendliches Nichts
Nein / da gibt es nichts
es ist sinnlos
daran zu glauben:
an den Ort der Bestrafung
den Ort der Gerechtigkeit und der
Abrechnung / wo dir der Spiegel
vorgehalten wird und du dich erkennst
Was soll das auch schon: die alten
Geschichten /Opium
für das Volk / Zurecht-
richtung für´s Wohlverhalten
Entsagung vom eigenen
sonst nichts
Wie sagt unsere Sprache: Das können wir
dem Gast nicht zumuten
dem Besucher der zu uns kommt
in unsere saubere Landschaft
diesen Anblick hier / wie
soll er sich erholen
von der Mühsal seines Alltags
wenn er diese Gestalten vor Augen hat
mitten unter uns
Es gibt andere Orte
da passen die hin / Häuser
außerhalb / wo sie
ungestört sind / das brauchen sie doch
die Ruhe / den Frieden
oder besser noch: sie
bleiben / wo sie sind...
Noch / leben wir
in einer / Demokratie
wo das freie Wort...
Nein / wir lassen uns den Mund nicht verbieten
von denen da oben / wir
sind Bürger
und zahlen Steuern
und haben ein Recht darauf
zu sagen: Geht zum Teufel / vaffanculo
laßt uns leben / wie wir
uns eingerichtet nach
unserem Maß
Leb dein eigenes Leben / heißt es
laß dir nicht dreinreden
Was du empfindest / ist richtig
was du willst / das zählt
Scher dich einen Dreck
was andere / über dich denken
vergiß es
Und vergiß all die Geschichten
von früher
es gibt keine Wahrheit
außer die eigene
Im Grunde ist alles richtig
im Grunde ist alles falsch
Die eigene Wahrheit / was soll das sein
wir sehen uns an
als wären wir Verstümmelte
wir verlassen das Haus / am Morgen
die gemeinsamen Betten
und streben auseinander / jeder
geht seinen Weg
zwischen den über-
quellenden Abfalltonnen / mit den
Resten der Mahlzeiten / der
Diners
der Brunchs / all
der Cocktail-Parties
mit denen die Ausstellungen unserer Körper
eröffnet werden: die leere
Sardinendose / ölverschmiert
kippt über den Schuh: so
gehen wir auseinander
Und wer weiß / ob wir noch
zusammenfinden / später
Die Gesichter im Bus / in der
U-Bahn / auf dem Weg
durch die Stadt / immer dieselben
Müdigkeiten / unverändert
seit Jahren
den blauen Himmel brauchen wir
dringend / für unser Selbstwert-
gefühl / aber das
ist dann schon alles
Zum Glück hat man die Märchen
abgeschafft / all
die grausamen Mythen
von einem Jenseits der simplen
Bestrafung / einem
grausamen Gott / dem alles fremd ist
außer der Rache
: und abgeschafft auch
9die Erinnerung daran / unsere Sprache
weiß das nicht mehr
zum Glück: Wir haben unser
eigenes Maß / ein mensch-
liches / dem Leben zu-
gewandt
Ja / sei glücklich
heißt es /9 sei glücklich
: und wir sind es
So gehen wir auseinander / jeder
ins eigene Glück / ins Haus in der
Vorstadtsiedlung / ins Appartement
im Grünen
im renovierten Altbau aus umwelt-
freundlichen Materialien: so
Gestern sah ich dich / auf
dem Weg zur Arbeit / du gingst
die Häuserzeile entlang / zwischen all
diesen Müdigkeiten
Menschen / die mein Gesicht trugen
und deins
: Plötzlich der Geruch
wie in alten Kinos / das
fiel über mich her / aus heiterem
Himmel / wie man
so sagt / bei-
nahe wär ich dir nachgerannt
um deine Hand zu suchen
: Um deine Hand zu suchen
wie damals
Nein / das ist vorbei
vergiß es / end-
gültig / auch für uns
gibt es das nicht mehr
: Jene Welt
auf der anderen Seite
unseres Wissens
es ist sinnlos / darauf
zu hoffen/ woran
man nicht mehr glauben kann:
an das Zerbröckeln / der Mauern
das Aufbrechen der Zellen / der
gelegten Wege / gerade hinein
in die Einzelhaft :ins Glück
Und so gingen wir weiter / jeder
in seinen Tag hinein
in sein privates Dunkel
wo niemand mehr folgen kann
und die Stimmen ver-
löschen ...
Und blieben zurück/ jeder
mit sich allein
in den selvae oscurae unserer
Hirnwindungen
dieser obszönen grauen Masse
die unser Wissen aufhäuft
unsere Verfehlungen speichert :die
kleinen Notlügen / das
Wegschauen / das
Abwinken das rasche / was
können wir dafür
...
Und du / schau zu
wie du zurechtkommst
jeder
ist seines Glückes Schmied
jeder für sich allein
Ognuno é un mondo intero
eine Welt / jeder für sich
wir haben ein Recht auf das Glück
auf das eigene
auf einen Ort für uns allein
i confini stretti attorno a se
al corpo / al collo
erwürgt / von den
eigenen Grenzen
Ja / fatti fottere
(fuck you)
laß mich in Ruh...
Übersetzungen:
Dt. Ursprungstexte aus "Landschaft mit Tieren unter Sträuchern hingeduckt";
weiters liegen unveröffentlichte Übersetzungen vor ins Ladinische (Übersetz.: Rut
Bernardi),
Kroatische (Übersetz.: Dragica Rajcic) und Ungarische (Übersetz.: Edina Nonn-Pusztai).
| Kleines Gebet Und dann die plötz- |
Piccola preghiera E poi all'improvviso |
| (Traduzione: Silvana Stangherlin) |
| Von fremden Inseln Manchmal / wenn ich auf das Boot |
Di isole lontane Talvolta / quando aspetto |
| (Traduzione: Silvana Stangherlin) |
| Da / wo sich die Finger- kuppen berühren (nach dem ersten Zurückschrecken) Wo / eine Silbe stockt auf der Zunge und sich wieder zurecht- legt Wo das Zittern / nachläßt In dieser Landschaft wagen sich / die ersten Tiere aus ihren Verstecken vorsichtig / vertraute Stimmen im Strauchwerk Und hinterm Zaun seh ich dich Wie du die Haare aufsteckst atmest |
qui / dove si toccano le punte delle dita (dopo il primo spaventato ritrarsi) dove / una sillaba s arresta sulla lingua per sistemarsi nuovamente poi dove il tremore / s allenta in questo paesaggio i primi animali / s azzardano a uscir dai nascondigli prudenti / voci fidenti nel cespugliame e dietro lo steccato ti vedo come fissi in alto i capelli respiri |
| (Übersetzung: Giancarlo Mariani) |