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und täglich ziehst du weg, ziehst fort und kehrst zurück, und überschreitest grenzen und alles ist, wie es gewesen war und alles war, war je gewesen ist und alles ist nun nichts, und du erstarrst und sitzt, wie abgelegt, in deinem raum und rauchst und liest und atmest kaum und alle fragen, die du stellst, sind ohne widerhall und alles, was du tust, ist nichts als nie getanes und draußen weht der wind, und dort stehn worte und alles wird, was es noch ne gewesen war und diese haut, die lippen, und dies haar und diese hand, die dich noch hielt - es war und du ziehst weg, ziehst fort, und fort und kehrst nicht mehr, wo du hin willst, zurück und sitzt, wie abgelegt, in einem andern raum und rauchst und liest und atmest kaum und immer, wenn du träumst, sind in dem traum die grenzen 210290
oder sisyphos auch, der könig: der den marmor, wieder & wieder,
ächzend den berg hinauf wälzt/ und der diesen, immer im letzten moment ein ums andere
mal, wieder den berg hinab rollen sieht mit wachsendem haß auf die götter - und dann
ohne jedwede regung und im herzen leer und im hirn/ und der endlich, nach so vielen jahrn,
nichts als lust empfindet dabei: Ein höchstpunkt nach dem andern, worcaholic und: Arbeit
macht frei
Denn nun wächst er, wieder & wieder, der schwanz des königs von korinth, und wird
hart wie der marmor, den er wälzt/ und aus ihm brichts, ein ums andere mal
Da endlich: endet der winter nicht mehr
250996
es gibt so vieles, was uns erschreckt so vieles, daß wir, im laufe der zeit, uns derart an das an das erschrecken gewöhnt, daß wir den schrecken als schrecken nicht mehr wahrnehmen im grund
(anstatt daß uns die haare zu berge stünden wie in den alten zeiten, als das wünschen, wie man uns einmal erzählt, noch geholfen hat/ anstatt daß wir, "zu tode erschrocken", erstarrte wie, als sie hinter sich sah, lots frau zünden wir uns, hinter uns nicht blickend, die nächste zigarette an und greifen in den teller mit dem salzgebäck): wir erschrecken vor lauter schrecken nicht mehr
andauernder, der immer währende schrecken hat uns das erschrecken derart zur gewohnheit gemacht, daß es, als erschrecken, uns nicht mehr bewußt: als hätten wir es uns abgewöhnt/ und doch: wohnen wir in nichts anderem
so bin ich vor kurzem über eine brücke, und ein mann (mittleren alters, wie ich im näherkommen festgestellt) hat die größte mühe gehabt, eine frau (wie eine in todesangst um sich schlagende hat sie um sich geschlagen, geschrien) übers geländer: zu hieven, wie man sagt, und, wäre ihm dies erst einmal gelungen, endlich loszulassen -: zu zweit schließlich sind wir der frau herr geworden (ein kurzes hinabschaun noch ins wasser den fluß, in dem sie nun: "plump wie ein stein", muß ich sagen, verschwand - und dann weiter jeder, seiner wege)
ach es gibt so vieles, was uns erschreckt
071294
und immer wieder die selbe Traurigkeit, die den Wein verdirbt. Komm knüpf dir die Schuhe zu. Zieh Handschuhe an. Es wird Sommer, morgen und du, mit deiner ver dammten Traurigkeit, bist nicht gerüstet: Komm 311290
und sitz), sitz am schreibtisch und schaue schau den kühen beim weiden zu .. ein vogel flog quer durch mein fenster .. abendstille, durchbrochen ab & an nur: muh!
ach heimat, ach was!, wenn die kühe auch flügel hätten -: sei flögen nicht gestern, nicht heute, nicht fort: "heimat? in den kalbheitströgen"
muh!, Und meine Seele spannte - ach was, wie die kühe, nichts aus - .. was quer durch mein leben rannte ..
ich stolpere in die nacht hinaus - Es war, als hätt' ..? was war, werde? Als flöge : traum (kindheits-erde
290995
die nacht geht hin die nacht geht her und aus dem sinn geht nimmermehr ein traum/ein traum geht nimmermehr und aus dem sinn die nacht geht her die nacht geht hin
1 wio wang schu wiowangschu wiowangschu gong gongwawo gongwawoschu gongwawoschu wawo wawoschu wawoschugong 2 wiowangschugong schugong schugong wawo wio gong wangschu wangschu wangschuwiogong 3 gongwangschuwio gongwang wawo schuwio wioschu wawo wanggong wioschuwanggong 171191
käfer, ratte,
kleine prosa mit tieren
1
habe als kind der um vier jahre älteren schwester, als sie mir den rücken zugekehrt,
einen großen toten käfer hintern kragen gesteckt, ins um die hüfte zugeschnürte kleid;
jedoch der große tote käfer ist nicht tot gewesen, wie in höchstem maße staunend
sofort ich begriff: die schwester, hysterisch, schrie. der versuch der mutter, den großen
käfer zu greifen oder das, was sie aufgrund des schrillens & schlagens ermutete
zwischen rücken und kleid, mißlang ein um das andere mal: niemand tat das naheliegende,
niemand schnürte das kleid auf. und noch tage danach sind die spuren, sind die wege des
großen käfers, der verzweifelt versucht haben mußte, sich zu befreien aus der
gefangenschaft, auf dem rücken der um vier jahre älteren schwester zu sehen gewesen.
2
einem mann in chile, stand vor kurzem zu lesen, wäre in die hose, welche zugeschnürt
gewesen sowohl in höhe des einen als auch in höhe des anderen knies, eine ratte gesteckt
worden: die ratte, welche, wie geschlossen hätte werden müssen aus den wild anmutenden
bewegungen, den verformungen der hose, verzweifelt versucht haben mußte, sich zu befreien
aus der gefangenschaft, hätte sich schließlich, die öffnung als weg ins freie
mutmaßlich mißdeutend, in den after des mannes gezwängt. ob es derart der ratte gelang
zu entfliehn: darüber stand nichts im bericht.
031193
bin aufgewacht in der mondennacht: sag was hat hat mich aus dem schlaf/gebracht in der mondennacht: sag bin aufgewacht 021093
als ob ich doch mit diesen wolken da den himmel querte, als ob ich so was auf der erd da ist, vergäß = als ob der himmel mir das fallen lehrte, als ob ich mitten im gedächtnis, am erinnern säß 141296
und dann der mann, der, um des anfangs willen, sich nichts als in den schoß der mutter sehnt: mit aller macht doch wissen will, was jener erste schrei dies licht der welt längst ausgelöscht -, was in dem bauch da war in seinem kopf und was er fühlte nacht für nacht, wenn seines vaters schwanz zu ihm vordrang, wenn die & der vielleicht in ihrer lust sich wälzten, wenn dann erschöpft der auf ihm lag und ihn so schier erdrückte -
und der, nachdem er nacht für nacht nun wochen schon versucht, sich in den leib, in dem er wurde -, zurückzukehren an den ort den bauch da, wo er, einmal, war, sich in den zu versenken, und nichts als dieser schwanz da in sie drang, trotz all der kraft und schließlich der verzweifelten gewalt, mit der er seinen körper auf den ihren warf, der wie ein totes vieh da lag -
der dann, nachdem, mit diesem messer da den bauch auftat und sich darin verkroch wie vielleicht einst und kein erinnern war -, der so, laut weinend schreiend noch & noch in jener winternacht, die eingeweide auseinanderbrach und doch, wie sehr er sich auch mühte braves kind, den schoß den ort als seinen nicht erkennt: die kälte wuchs -
und der, nach all dem fragen suchen mühn, nun endlich schläft
291196
wurde geboren: am 22. november 1955 in st. peter im ahrntal; nach der volksschule in st. jakob, der mittelschule in st. johann und dem wissenschaftlichem lyzeum in brixen studierte er ab 1974 in innsbruck: 2 semester rechtswissenschaften (1974/75), 23 semester germanistik und geschichte (1975-87); schließlich schloß er das studium ab mit einer arbeit über lebensläufe in der literatur der siebziger jahre (schwerpunkte: f. innerhofer, th. bernhard, p. handke).
1987 arbeitete er im "Innsbrucker Zeitungsarchiv zur deutsch- und fremdsprachigen Literatur" am institut für germanistik in innsbruck. im september 1987 umzug nach dölsach/osttirol und beginn der lehrtätigkeit an der mittelschule welsberg; im februar 1990 heim & zurück zum ausgangspunkt: st. peter.
j. oberhollenzer ist gründungsmitglied der südtiroler autorenvereinigung; seit 1978 veröffentlichungen in zeitungen, zeitschriften, anthologien & im hörfunk (RAI, ORF).
1994: "in der tasse gegenüber" (gedichte & geschichten + kassette mit lesung und vertonungen, edition sturzflüge).
1995: 13 fototexte in "Der Ahrntaler. Historischer Kalender 1995"; außerdem: "heinrichsTag" (dramatische textcollage: oberhollenzer/kleist; uraufführung durch das Freie Theater Bozen in steinhaus/ahrntal).
1996: "orpheus. nachtgesang" (theaterstück: oberhollenzer; erstaufführung durch das Freie Theater Bozen im kupferbergwerk in prettau); außerdem: "traum:sturz" (CD der gruppe Still Blind mit vertonungen oberhollenzerscher texte); GAV-Mitglied

edition sturzflüge, Bozen 1994 ISBN 3-900949-05-0
Das Nachwort von Georg Engl: "Josef Oberhollenzers erstes Buch
vereint eine Auswahl seiner Arbeiten aus den letzten fünfzehn Jahren. Die Textsammlung
bietet damit einen guten Überblick über die verschiedenen Schreibweisen des Autors. Das
Buch dokumentiert in seiner Auswahl Oberhollenzers "stille", ja oftmals
zurückgenommene Texte, die nur um ein Wort, einen Satz kreisen und refrainartigen
Charakter besitzen, zum andern auch eine Auseinandersetzung mit Heimat und Fremdeverkehr
(in Dialekt und Hochsprache), besonders in Texten älteren Datums.
Bestimmendes Thema seiner Texte aber ist die Sprache. Oberhollenzer verdichtet Dialekt und
Hochsprache und den "Jargon der Eigentlichkeit" zu einem Spannungsverhältnis,
das als Schrift und Stimme Sinn und Struktur erlangt und reflexartig Licht auf Zustände,
Umwelt und Menschen wirft.
In der Rhythmisierung der Wörter, der Brüche, der Texte erfolgt die Umsetzung, die sich
durch das Sprechen vielfältige Ordnungen und die Destruktion dieser schafft. Darauf
ausgerichtet ist auch Oberhollenzers Schreibung der Wörter und die oftmals abgehackte
Trennung mitten im Wort.
Die Stimme des Textes wird hörbar durch Josef Oberhollenzers "Lesestimme". Dazu
ergibt die Polyphonie der Musiker parallele und gegenläufige Lesearten der Texte."
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Espresso
mortale", Fortsetzungsroman für eine Tageszeitung,1996
gemeinsam mit S.
Gruber, K. Lanthaler, S. Mall, A. Pichler
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Die dem Buch "in der tasse gegenüber" beiliegende Kassette enthält eine Lesung von Josef Oberhollenzer und Vertonungen verschiedener Bands.
Seite A:
Josef Oberhollenzer. Studiolesung am 7. März 1994
Seite B:
Jasi (Benno Simma & Klaus Janek): "mitten im satz.
blaues gedicht"
Still Blind: "schnee gedicht"
Near To Zero: "The sea" (nach J. Oberhollenzer: mitten im satz. blaues
gedicht)
Oskar und die Mysterien der bulgarischen Syntax: "nature morte"
Röar: "ende (this is the end/the doors)"