Grossbrand am 15. Februar 1673

Am 15. Februar 1673 zerstörte in Girlan ein Großbrand fünf Häuser und acht Scheunen. Die PfarreGirlan gelobte damals, den Tag des hl. Florian, also den 4. Mai, alljährlich als Festtag zu begehen, um so den Schutz des Heiligen vor Feuergefahr zu erbitten. Seit über drei Jahrhunderten wird somit an diesem Tag in Girlan mit einem Hochamt und weltlichen Veranstaltung gefeiert. Die Erinnerung an diese Katastrophe und der Umstand, daß am 18. Dezember 1866 die Scheune des Domenikanerhofes vollständig niederbrannte, haben sicher den Willen zur Bildung einer wirksamen Feuerschutzorganisation noch mehr verstärkt.
In St. Michael hat sich schon 1885 eine freiwillige Feuerwehr gebildet, nach dem die k. u. k. Statthalterei in Innsbruck die vom Eppaner Gemeindeausschuß genehmigten Satzungen gut geheißen hatte.
Die Gründung selber wurde dann am 17. Mai 1885 mit einem Hochamt und einem anschließenden Fest auf Matschatsch gefeiert. Das konnte natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die beiden Nachbarorte Girlan und St. Pauls bleiben. Tatsächlich kam es in Girlan dann 1897 und in St. Pauls 1898 ebenfalls zur Gründung von Feuerwehren.
 
 
Die Zeit bis zum Ende des 1. Weltkrieges

Die Eppaner Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Josef Klotz genehmigtein der Sitzung vom 20. Oktober 1897 die Statuten der Freiwilligen FeuerwehrGirlan und bewilligte ihr gleichzeitig für die Anschaffung von Requisiten 150 Gulden. Und das war die amtliche Geburtsstunde dieses für das Leben des Dorfes so nützlichen Vereins, zu dessen erstem Hauptmann Herr Wilhelm Brigl sen. gewählt wurde. In Girlan selber fand die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr laut Dr. Karl Zani bereits anläßlich der Vollversammlung vom 27. Juni 1897 statt, bei der auch die Statuten genehmigt wurden. Der erste Ausschluß bestand aus den Herren Josef Niedermayr (Marklhof),Heinrich Niedermayr, Franz Schwarzer, Konrad Jaitner, Josef Ortler, Ignaz Kofler und Anton Raifer. Schon seit dem Jahre 1782 verfügte Girlan über eine handbetriebene Feuerspritze, die im alten Mauracherhaus untergebracht war. Abgesehen von der vorerwähnten Spritze verfügte die Girlaner Wehr im Gründungsjahr bereits über zwei weitere Feuerspritzen und eine Pumpe. Schon unter dem Datum vom 5. Dezember 1898 hatten die Girlaner bei der Gemeinde um einen Beitrag für den Bau des Spritzenhauses und den Kauf von 3-400 m Hanfschläuche angesucht, wobei ihnen für den Bau und die Anschaffung von 200 m Hanfschläuche 500 Gulden bewilligt wurden.
 
Auf entsprechende Ansuchen hin erhielt die Girlaner Feuerwehr noch folgende Beträge von der Gemeinde Eppan: Laut Ratsbeschluß vom 14.5.1899 500 Gulden für den Bau des Spritzenhauses und die Anschaffung von 200 m Hanfschläuchenam 29.4.1901 für das schon fertiggestellte Feuerwehrmagazin 3000 Kronen; am 30.5.1902 für die Auszahlung des Jahresbeitrags an die Landesverbands-und Unterstützungskassa und des Beitrags für das Kaiser-Franz-josefs-Jubiläum 17 Kronen. Unter dem Datum vom 14.7.1904 wird das Ansuchen der Freiwilligen Feuerwehr Girlan um Anschaffung von 200 m Hanfschläuchen und von 2 Strahlrohren bewilligt, wobei aber die Gemeindeverwaltung die Anschaffung selber besorgen wird. Zwischen diesem letzten Datum und der Ratsversammlung vom 2.8.1905 muß es bei der Girlaner Feuerwehr eine Krise gegeben haben. Das ist aus dem Protokoll der vom Gemeindevorsteher-Stellvertreter Egon Graf Khuen geleiteten Ratssitzung zu schließen. Hier der Wortlaut des Punktes III der Traktandenliste: "Bericht des Vorsitzenden, daß die Commandantschaft der freiw. Feuerwehr Girlan s.z. die Auflösung der Feuerwehr anher angezeigt habe, welche Anzeige aber mangels der vorgeschriebenen Rechnungslage und anderer Förmlichkeiten nicht zur Kenntnis genommen wurde. Trotzdem hätten die Commandanten Josef Weger und Wilhelm Brigl erklärt, in der Sache nichts mehr zu tun. Vorsichtsweise empfiehlt er daher den Herren Gemeindevertretern von Girlan, sich der Oberleitung einer allfälligen Löschaktion gewissenhaft anzunehmen und ersucht... Anträge zu stellen. Der Gemeinde-Ausschuss entscheidet darüber wie folgt: Es wird beantragt, die Commandantschaft aufzufordern, über ihr bisheriges Gebahren detaillierte Rechnung zu legen. Die eigentliche Ursache sei nur die, daß die Mannschaft unter solchen Verhältnissen nicht mehr mitthue, weil über gar keine der vielen Einnahmen, Bauherstellung, Geräteanschaffung etc. bisher eine Rechnung gelegt wurde, was in der Schuld der beiden Commandanten liege."
 

Die Zeit bis zum Ende des 2. Weltkriegs

Erst im Gemeindeblatt vom 25. Jänner 1920 ist wieder die Einladung zu einem am 1. Februar 1920 im Gasthaus "Zum Rößl" in Girlan stattfindenden Feuerwehrball enthalten. Nicht viel später, nämlich am 9. Mai 1920, wurden "sämtliche Mitglieder der Freiw. Feuerwehr Girlan ersucht, Sonntag, den 9. Mai, mittags 12 Uhr (alte Zeit) zur Schlußübung pünktlich zu erscheinen. Die der Ortszeit um 1 Stunde vorausgehende Sommerzeit war am 1.5.1916 eingeführt worden. Gleichzeitig wird eine photographische Aufnahme stattfinden, die jedem Mitglied gewiß als Erinnerung sehr erwünscht ist." Den ersten größeren Einsatz nach dem Krieg 14-18 gab es, als in den ersten Augusttagen des Jahres 1920 der Stadel des Klotzhauses im Paulsner Unterdorf abbrannte. Auch hier in den eng aneinandergebauten Häusern, wo höchste Feuergefahr für die Nachbargebäude bestand, zeichneten sich neben den Wehren von St. Pauls und St. Michael auch jene von Girlan durch ihr rasches und wirkungsvolles Eingreifen aus, was der Herr Josef Klotz und dessen Nachbar Peter Kager im Gemeindeblatt vom 8. August 1920 mit bestem Dank bestätigten. Für Sonntag, den 12. Dezember 1920, waren die Mitglieder der Girlaner Feuerwehr bereits zur 1. Nachkriegs-Vollversammlung eingeladen worden, die dann auch mit Beginn um 12 Uhr im Gasthaus "Zum Hirschen" stattfand. Auf der Tagesordnung standen die Punkte Rechenschaftsbericht, Neuwahl, Aufnahme neuer Mitglieder und Allfälliges. Dabei wurden laut Gemeindeblatt vom 19. Dezember 1920 "folgende Chargen wiedergewählt, bzw. Änderungen getroffen: Hauptmann: Warasin Christian, Hauptmannstellvertreter: Brigl Wilhelm jun., Schriftwart: Tschöll Siegfried, Steigerkommandant: Schwarzer Josef, Steigerkommandantstellvertreter: Lantschner Franz, Steiger-rottenführer: Romen David, Schlauchkommandant: Werth Martin, Schlauch-kommandantstellvertreter: Ortler Andreas, Schlauchrottenführer: Niedermayr. Weiter teilt das Kommando mit, daß 9 Mitglieder neu aufgenommen wurden und daß der Verein zu diesem Zeitpunkt 83 Mitglieder zählt. Aus dem Jahre 1921 sind Einsätze der Girlaner Feuerwehr bei einem Stadelbrand in Rungg, Besitz des Josef Niedrist, am 31. August und bei einem großen Waldbrand an den Hängen des Mendelgebirges Ende November bekannt. Für die Zeit von 1897 bis zum 29.8.1945 gibt es keinerlei Nachrichten in Protokollen oder sonstigen vereinsinternen Aufzeichnungen. Niemand kann sich erklären, wohin diese Schriftstücke verschwunden sind. Da nun aber die italienische Regierung am 9. Juni 1925 alle Freiwilligen Feuerwehren aufgelöst hatte, ist es wohl denkbar, daß diese Dokumente irgendwo versteckt wurden und danach nicht mehr aufgetaucht sind.

 
Das für die örtliche Berichterstattung so wichtige Überetscher Gemeindeblatt stellte sein Erscheinen anfangs der zwanziger Jahre ein und kam erst 1961 als "Überetscher Anzeiger" und später als "Gemeindeblatt" wieder heraus. Private Notizen oder Tagebucheintragungen von Vereinsmitgliedern waren nicht aufzutreiben. Durch die enge Verknüpfung der einzelnen Wehren in einem einzigen Gemeindegebiet ist aber immer wieder von Einsätzen die Rede, bei denen eben auch die Girlaner mithalfen. So berichtet Dr. Karl Plunger in der Festschrift "100 Jahre Freiwillige Feuerwehr St. Michael-Eppan": Am 3. Juni 1923 wird in Girlan der 32. Feuerwehr-Bezirksverbandstag abgehalten. Der Girlaner Feuerwehrhauptmann Christian Warasin und sein Stellvertreter Wilhelm Brigl jun. empfangen die Gäste. 49 Wehren des Bezirkes sind vertreten. Es wird besonders auf die Zahlungen an verunglückte Wehrmänner hingewiesen.
  Beim Mittagsmahl im "Rößl" begrüßt der Gemeindevorsteher von Eppan, Herr Bruno Graf Khuen, die Verbandsleitung." In derselben Festschrift schreibt Dr. Karl Plunger auch von einem Brand, dem am 2. September 1923 das Ökonomiegebäude des Herrn Alois Hanni, Langhütten 113, in St. Michael zum Opfer fiel, und bei dessen Bekämpfung die örtliche Feuerwehr auch durch die Wehren von Girlan und Pauls unterstützt wurde. Pikantes Detail am Rande: Das besagte Gebäude gehörte dem Ehern-Kommandanten der St. Michaeler Feuerwehr Alois Hanni. Noch einmal ist die Girlaner Feuerwehr in der genannten Festschrift erwähnt: In St. Michael fand am 26. Oktober 1923 eine Generalübung der drei Gemeindewehren statt. Das Brandobjekt war dabei das frühere Kurhotel Hocheppan am Bahnhof von St. Michael. Immer laut Dr. Karl Plunger ereigneten sich im Jahre 1935 in einem Zeitraum von 14 Tagen nicht weniger als drei Brände allein in Girlan Noch im selben Jahr wurden die drei örtlichen Feuerwehren zu einem einzigen "Corpo Pompieri di Appiano" zusammengeschlossen und einem "Comandante" unterstellt. Aufgeteilt war dieses "Corpo" in drei den Dörfern entsprechende Sektionen unter der Leitung von drei "ViceComandanti". Zum "Comandante" ernannte der damalige "Podestá" den Herrn "dott. Agosto Lana" (Dr. August Laner) von St. Michael und zum "ViceComandante" von Girlan den Herrn Meraner Carlo. Die "Caposquadra" waren Berger Giorgio, Meraner Giovanni, Rufin Giorgio und Werth Giovanni. 1938 wurde die Girlaner Feuerwehr ebenso wie jene von Pauls überhaupt aufgelöst. Was sie von der Ausrüstung für gut hielt, holte sich die Bozner Berufsfeuerwehr. Bis zur Besetzung Südtirols durch die deutschen Truppen 1943 mußten sich also die Leute bis zum Eintreffen der Berufsfeuerwehr selber helfen so gut sie konnten. Danach wurden die alten Wehren zwar bald wieder gebildet, soweit das überhaupt möglich war, weil ja der größte Teil der Mitglieder im Felde stand oder abgewandert war. Von einer Neuaufstellung der Girlaner Wehr in dieser Zeit war keine Notiz zu finden.