Erstmaßnahmen am Unfallort

Jeder Lawinenunfall stellt eine große Herausforderung für alle Beteiligten einer organisierten Rettungsaktion dar. Bei allen Entscheidungen müssen die Vorteile einer raschen Bergung der Verschütteten gegen die Risiken für die Rettungsmannschaften abgewogen werden. Die Gefahr einer Nachlawine, Schnee- und Wetterbedingungen, Tageszeit sowie die Geländebeschaffenheit müssen mit berücksichtigt werden. Eine Ausrüstung der Rettungsmannschaften mit Airbags sollte in Erwägung gezogen werden.

Bei allen Entscheidungen sollte man versuchen "voraus zu denken".

Am Unfallort müssen Metall - Laryngoskop und Notfallmedikamente vor der Kälte geschützt sein (am Körper tragen oder einen Wärmebeutel in den Notarztkoffer legen). Wegen der tiefen Außentemperaturen ist auf eine ausreichende Batterieladung aller Überwachungsgeräte besonders zu achten.

In der Behandlung von Lawinenopfern verfolgen wir zwei unterschiedliche Strategien in Abhängigkeit von der Verschüttungsdauer.

Bei kurzer Verschüttungsdauer (bis 35 Minuten) zählt jede Minute! Rasche Bergung und Reanimation haben Priorität, um ein drohendes Ersticken zu verhindern.

Bei langer Verschüttungsdauer (ab 35 Minuten) hingegen liegt das Schwergewicht in einer schonenden, bewegungsarmen Bergung der Verschütteten und einer adäquaten Therapie der Hypothermie.

Aufgrund dieses grundlegenden Unterschiedes werden diese beiden Therapiekonzepte getrennt behandelt.